12.
Sep
2010

Zu doof zum Googeln und dann noch frech werden

Hits

Neulich spricht mich meine Sekretärin an. Da wäre ein Herr am Telefon gewesen, sehr aufgeregt.

Auf die Frage, was er denn wolle, habe er recht fordernd bedeutet, er wolle mich sprechen. Persönlich. Ich wisse schon ganz genau, warum. Wir sollten mal bloß nicht so tun. Die Sekretärin, die sonst durch nichts so leicht aus der Ruhe zu bringen ist, war geschockt. Auf weitere Nachfrage rückte er damit raus, dass es um Anrufe bei ihm gehe. Dauernd werde bei ihm angerufen - von unserer Kanzlei.

Da wir gerade im Umzugsstreß waren und an unserer Telefonanlage bastelten, war ich ein wenig beunruhigt. Nicht dass ich da einen Fehler gemacht und versehentlich irgendwas falsch konfiguriert habe. Wäre ein gefundenes Fressen für die ganze Riege der Spammeranwälte: Spamgegneranwalt belästigt selbst die Leute mit unerbetenen Anrufen...

Meine Sekretärin weigerte sich, nochmal da anzurufen und näher nachzufragen. So lasse sie sich nicht beschimpfen. Er wolle auch ohnehin unbedingt mich persönlich sprechen. Ich - bereits auf dem Weg in die Kanzlei - rief also auch gleich zurück und bekam die Frau des Hauses ans Telefon. Nachfolgend sinngemäß:

Sie: Jo mei, mei Mann is stocksauer, sog ich Ihnen, ständig diese Anrufe von Ihrer Kanzlei.

Ich: Wie jetzt, wer ruft Sie denn an und was für eine Nummer soll das sein?

Sie: Jo, von dieser 02137...

Ich: Aber wir sitzen in Berlin, wie sollen wir da eine Nummer mit Vorwahl aus Neuss haben?

Sie: Jo, dös woaß mei Mann aber doch ganz genau. Dös hot er überprüft.

Dann wurde mir plötzlich klar, die Rufnummer taucht hier auf.

Ich: Lassen Sie mich raten: Ihr Mann hat nach der Nummer gegoogelt und ist auf einen Eintrag der Kanzlei Richter Berlin gestoßen?

Sie: Jo dös könnt scho sein.

Ich: Das wäre jetzt der Moment, in dem Sie bzw. Ihr Mann sich mal bei meiner Sekretärin entschuldigen sollten. So wie Sie die fertiggemacht haben.

Sie: Jo mei, wieso dös?

Ich: Na weil Sie vielleicht mal nen Kurs in der Interpretation von Suchergebnissen im Internet machen sollten, bevor Sie andere Leute beschuldigen. Es handelt sich um eine Rufnummer einer Firma, über ich wir geschrieben haben, weil die uns auch belästigen. Das ist also nicht unsere Rufnummer und das kann man auch sehen, wenn man den Artikel durchliest und nicht nur das Google-Suchergebnis betrachtet. Zumal wir ja nicht in Neuss sitzen, sondern in Berlin, wie Ihr Mann spätestens gemerkt haben sollte, als er dann unsere Rufnummer raussuchte, die mit 030 beginnt. Kann es sein, dass Ihr Mann gegoogelt hat und dabei den Namen unserer Kanzlei gefunden hat?

Sie: Gut möglich.

Ich: Na dann sollte er vielleicht nochmal lernen, wie er eine Suchmaschine bedient, denn es ist nicht unsere Nummer. Und, meinen Sie nicht, dass da Ihrerseits irgendwie eine Erklärung, eine Entschuldigung vielleicht angebracht wäre?

Sie: I betrocht dös Gespräch ois beendet. Auf Wiederhören.

Eine Welt voller Internet-Analphabeten. Unglaublich. Und solche Knallfrösche stehlen mir die Zeit.

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Kommentare (4)
1Sonntag, den 12. September 2010 um 20:12 Uhr
konsumer.info
Hallo Herr Richter, uns geht es fast genau so, manche leute googeln einfach nicht "richtig" so wurden wir auch schon als die Redaktion von Akte2010, oder der Bundesverband Verbraucherzentrale, der Schufa und viele andere Firmen und Behörden betittelt.
Wäre vielleicht einmal ein Thema "Wie benutze ich Suchmaschinen richtig"
2Montag, den 13. September 2010 um 14:58 Uhr
Kai
Wenn es zu oft passiert, mache ich mir einen Spaß daraus, die Leute zu veräppeln.

Schufa: "Oha, wir haben wir ganz viel Einträge. Das sieht ja übel aus"
Akte2010: "Alles was sie sagen, kann gesendet und gegen sie verwendet werden"
VBZ: "Bitte senden Sie die Auflistung Ihrer Konsumsteuern der letzten 3 Monate ein, bevor wir die Anfrage bearbeiten können".
3Montag, den 13. September 2010 um 15:37 Uhr
ra kuemmerle
Wir werden in schöner Regelmäßigkeit von Apotheken angerufen, die uns fragen ob sie das "Zeuchs" jetzt zu uns schicken sollen. Bitte??? Ja sind sie nicht die Bundesopiumstelle? Nein, sind wir nicht! Dummerweise haben wir mal was über die Bundesopiumstelle geschrieben und tauchen nun im Google-Suchergebnis ganz weit oben auf. Wir überlegen schon, uns das "Zeuchs" tatsächlich mal zusenden zu lassen. Wenn es reicht um Apothekerhirne weich zu machen, muss es gut sein :-)
4Dienstag, den 02. August 2011 um 16:02 Uhr
Harri_Bo
Hallo Herr Richter,

auch ich werde seit Wochen telefonisch belästigt und bin über Googel auf Ihre wirklich sehr sehr schöne teils unterhaltsame aber dennoch informative Homepage gestoßen.

Ich habe verschiedene Möglichkeiten der Bekämpfung ausprobiert; Einfach auflegen > es wird immer weiter angerufen, auch die Methode an das Telefon ran zu gehen und einfach dann auf den Tisch legen und weiterarbeiten brachte nicht die erhoffte ruhe, mitlerweile spreche ich mit den Personen, jedes Mal wenn die nach dem Adressabgleich fragen bin gerade umgezogen und gebe eine "fake Adresse" nebst "Fake Kontonummer" an. Wobei die Kunst bei der Fake Kontonummer liegt, es kann Online geprüft werden ob diese Nummer schlüssig ist.

Aber ich gebe erstmal Auskunft und wenn dann der "Kontrollanruf" mit Aufzeichnung kommst hab eich meinen Spass.

So habe ich bei der Frage ob denn Mittwochs oder Samstags spielen möchte mich gefühlte 5 Min mit der Telefonstimmer darüber gestritten, dass mein Wunschtag doch der Donnerstag ist...war sehr lustig.

Bei einem weiteren Anruf habe ich darauf bestanden, Elvis Presley zu sein....

Ich werde mir jetzt eine technische Möglichkeit schaffen, die Anrufe selber aufzunehmen, um diese dann bei Youtube einzustellen.

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